Baustellen in Bayern

Ja ham‘ die denn am Blitz geleckt!?

Ich habe mittlerweile einen ganzen Haufen geplatzter Kragen zuhause, der sich soeben schon wieder vergrößert hat.

Auf dem Weg in die universitäre Verbildungsstelle in Erlangen musste ich leider, wie so oft versuchen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln klarzukommen. Heute – ja ausgerechnet heute – fuhren selbige sogar pünktlich, sodass mein Timing eine ziemlich knappe Sache war, doch schnellen Schrittes und frohen Mutes habe ich mich davon nicht beirren lassen. Ich hätte nur lediglich von der U- in die S-Bahn wechseln müssen, und ich wäre reibungslos in einem der schweißluftigen Eisenbahnbehälter in die Universitätsstadt gejuckelt. Nein, die Metropolregion Nürnberg ist derzeit wieder in herbstlicher Bauwut.

Baustellen sind ja eigentlich was gutes. Dumm nur, wenn außer (Bau)Zaun nichts arbeitsmäßiges vor Ort ist. Und außer selbigem stand auch noch rein gar nichts zwischen mir und dem Bahnsteig.

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Das Hauptproblem sind darüber hinaus natürlich die zahlreichen Straßenbaustellen im Moment. Ich weiß augenblicklich nicht, wie die Situation in der Bundesrepublik aussieht, aber hier in Bayern ist man, wie so oft auf die Spitzenidee gekommen, alle Baustellen einfach mal genau gleichzeitig zu errichten. Vermutlich tut sich demnächst mitten im Nürnberger Christkindlesmarkt ein Loch im Hauptmarkt auf, und ein paar verzweifelte Oberpfälzer kommen raus, weil sie sich von Baustellen gänzlich umgeben einen Tunnel in die Zivilisation haben graben müssen.

Ganz realistisch kann man derzeit als Bewohner größerer Nordbayerischer Städte keine genauen Termine oder Verabredungen eingehen, weil man einfach nicht weiß, ob man pünktlich (oder überhaupt) ankommen wird.

Selbst die beiden (einzigen) Zufahrten der kurzen Straße, an der meine favorisierte Dönerverkaufsanstalt liegt, ist durch beiderseitige Bebauung hermetisch abgeriegelt.

Auch bei Tagesbaustellen wird stets Wert auf perfektes Timing Wert gelegt. Letztens waren am Nürnberger Stadtring wohl Erneuerungen der Straßenmarkierungen notwendig. Eine kurze Sache. Zeitfenster: 16-18:00 Uhr. Weltklasse, so können die Arbeiter dann gleich Feierabend machen, zusammen mit mir und der Restbevölkerung, die im Stau auf sie wartet!

Markierungen sind in Bayern sowieso so’ne Sache. Auf vielen nichtblau beschilderten Straßen im Freistaat wurde zuletzt auf den Mittelstrich verzichtet. Was das bringen soll, eine bewährte Grundeigenschaft der Autostraße einfach abzuschaffen, ist mir schleierhaft. Als Resultat sehe ich jedoch täglich in der von mir und meiner besseren Hälfte bewohnten Straße, bei der ebenfalls keine Mittellinie mehr vorhanden ist, wie träumerisch taumelnd ein großer Teil der Autofahrer mitten über die Fahrbahn eiert, um dann schließlich schlenkernd den Fehler zu korrigieren. Ein ganz besonderer Spaß ist das bei uns vor der Haustür, wo sich zwei gegenläufige Einbahnstraßen zu einer normalen zweispurigen vereinen. Dabei fehlt wie gesagt der Trennungsstrich, auf den subfontanell spärlich ausgestattete Mitmenschen dringend angewiesen sind. (Die prüfen mittig auf der Fahrbahn sogar nach dem Motto „Links-vor-Rechts“, ob nicht eventuell Gegenverkehr aus dem verkehrten Ende der Einbahnstraße kommt.)

„Huch, Gegenverkehr!“

Das ist wohl hier der Gedanke der Stunde.

Einem Erstklässler gibt man doch auch kein komplett unliniertes Schreibheft!

In einem unbegrenzt freien Land würde ich jetzt zum Abreagieren eventuell auf eine kontemplative Wagenfahrt mit Kumpel und Pappbechergetränken an Bord starten. Aber Stau kann ich mir auch von außen ansehen. Ohne Auto.

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