Geistesblitz Tempowarnlicht

Zwei BMW Z4 GT3 auf der Nordschleife mit blauer Signalleuchte in der Scheibenecke

Zwei BMW Z4 GT3 auf der Nordschleife mit blauer Signalleuchte in der Scheibenecke

Als ich letztens mal wieder eine unserer schönen Autobahnen befuhr, überkam mich einer meiner berühmten Geistesblitze.

Bei verschiedenen Langstreckenrennen, z.B. bei den 24-Stunden Rennen auf der Nordschleife, ist es üblich, dass die führenden Autos der besonders schnellen Gruppen blaue Lichter an der Fahrzeugfront verbaut haben. Die sollen langsameren Autos auf der Strecke signalisieren, dass sie, wenn möglich, auszuweichen haben. Diese Leuchten entsprechen der blauen Flagge im allgemeinen Motorsport, die das gleiche anzeigt, aber bei Dunkelheit nur schwer verwendbar ist.

Der Sinn dahinter liegt darin, dass das langsamere Auto durch das Ausweichen kaum behindert wird, während viel schnellere Fahrer unter Umständen eine Rundenzeit ruinieren, weil sie irgendwo nicht vorbeikommen, bzw. am Überrunden gehindert werden, was im Rennsport je nach dem sogar verboten ist. Natürlich funktioniert dieses „Durchlassgebot“ nur sofern es die Fahrsituation gerade erlaubt.

Könnte man sowas nicht auch im Straßenverkehr brauchen?

Selbstverständlich kann man nun nicht einfach ein gesondertes Drängellicht einführen. Das würde der ein oder anderen Intelligenzbestie am Steuer lediglich neue Möglichkeiten eröffnen, sich wie eine offene Hose zu benehmen. Nein, vielmehr könnte man Vergleichbares als eine Art Warnsignal einführen.

Sagen wir der Einfachheit halber mal: Ein grünes, breites Licht zwischen den Scheinwerfern. Grün, weil alle anderen Farben mit Signalwirkung schon vergeben sind, insbesondere Blau, welches Einsatzfahrzeugen vorbehalten ist. Dieses Licht ist nicht frei zuschaltbar, sondern leuchtet immer, wenn man schneller, als 160 oder 170 km/h fährt. Die Helligkeit soll so sein, dass das Licht keinen Einfluss auf den sichtbaren Lichtkegel der Scheinwerfer hat, aber dennoch im Rückspiegel des Vordermannes deutlich erkennbar ist.

Dies hätte zum Vorteil, dass gerade weniger erfahrene Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen besser einschätzen können, wie schnell der überholende Verkehr heranfährt. Einerseits könnten dadurch die berühmt-berüchtigten Situationen vermieden werden, in denen jemand mit 110 auf die linke Spur eiert, ohne zu bemerken, dass er den viel schnelleren Überholvorgang eines anderen gerade gefährlich behindert – sprich: einem voll vor die Nase fährt. Ich erwähnte es erst kürzlich.

Andererseits könnte man wiederum durchaus aktiv Lücken zum Überholen nutzen, bei denen man sonst zögert, weil man nicht weiß, wie schnell der Hintermann ist. Leuchtet im Rückspiegel kein grünes Licht, kann man mit mehr Sicherheit auf die linke Spur wechseln, um selbst noch zu überholen. Man könnte auch beim Überholen von LKW Kolonnen z.B. nur kurz in eine Lücke fahren, weil man weiß, dass der Hintermann so schnell an einem vorbeikommt, dass man sofort wieder raus kann. Das klingt alles sehr theoretisch, könnte aber im Alltag durchaus funktionieren. Neben den genannten aktiven Aspekten des „Überhollichtes“, ließe sich Passiv auch ein fundierter Beweis für Geschwindigkeitsmessungen herstellen, bei denen immer wieder Leute mit extrem übertriebener Geschwindigkeit durch Baustellen, oder auch abseits von Autobahnen fahren.

Technisch ließe sich das Ganze dank LED-Technik sicher auch recht praktisch umsetzen, da nun mal quasi jedes Auto zumindest irgendwelche Querfugen in seiner Front trägt, in denen sich ein Leuchtstreifen unsichtbar anbringen ließe. Auch Nachrüstlösungen wären einfach denkbar, zum Beispiel derart, dass man sie hinter Kühlergrills montieren könnte. Gerade ich wäre natürlich der allerletzte, der anfängt zu predigen, man solle sich seine Front mir irgendwelchen Leuchtleisten verunzieren.

Ich bin der Meinung, dass ein solches Konzept durchaus positiv zu aktiverem und bewussterem Fahren führen könnte. Einige Verhältnisse im Verkehrsgeschehen könnten klarer indiziert werden. Es gibt ja zum Beispiel den berühmten Grundsatz: „Wer auffährt hat eigentlich immer Schuld“. Wären solche „Überhollichter“ pflichtmäßig verbreitet, könnte der, der einen Unfall herbeiführt, in dem er einem schnelleren rücksichtslos vor die Karre fährt eher beschuldigt werden.

Man muss sich vor Augen halten: Sofern man die nötige Sorgfalt an den Tag legt, darf man auf Deutschen Autobahnen unbegrenzt schnell fahren. Dann gehört es aber doch auch zur Gesetzgebung, dass man sich auch hier um Sicherheit bemüht.

Wie ich es schon einmal gesagt habe: Ich betrachte die Tempofreiheit auf den Autobahnen als Privileg. Ein Privileg, was jeder nutzen darf, aber auch ein Privileg, welches unbegrenzte Aufmerksamkeit und Überlegtheit einfordert. Wer bei hohen Geschwindigkeiten unaufmerksam fährt, handelt in meinen Augen fahrlässig. Allein für die Leute, die damit nicht umgehen können, und sich deshalb nicht aktiv sondern passiv durch den Straßenverkehr bewegen, wäre so ein Licht von deutlichem Vorteil.

Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie ich diesen Geistesblitz nennen kann…

Überhollicht wäre eigentlich falsch, weil man ja nicht immer überholt.

Hochgeschwindigkeitslicht wäre einigermaßen treffend, klingt aber einfach nach schnellem Licht, und

nicht nach einem schnellen Auto mit Licht dran.

Geschwindigkeitsdemonstrationslicht klingt zwar unheimlich sperrig, passt aber. Wir könnten es „GDL“ abkürzen, aber das signalisiert wohl im Moment eher Stillstand…

Tempowarnlicht klingt doch gut. Ich glaube, das nehm‘ ich.

Kann man vor dem Bundestag gut parken, oder muss ich das per Post als Gesetzesentwurf einschicken?

Oder ist die Idee Murks? Ich würde mich hier besonders über Kommentare freuen!

Ich muss am Ende dazu sagen: Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, wie Ernst sich so etwas durchsetzen ließe, und ob der Nutzen wirklich so groß wäre, wie in meinem Hirngespinst.

Nachtrag vom 25.06.15:

Schon die ersten Kommentare von Motorsportbegeisterten auf Facebook haben bestätigt, dass die Idee in ihrer technischen Umsetzung nicht machbar ist. Eine Nachrüstlösung ist bei vielen Autos sicher problemlos machbar, aber man darf nicht vergessen, dass noch immer nicht jeder ältere Wagen z.B. über ein digitales Geschwindigkeitssignal verfügt, um ein Tempowarnlicht anzusteuern.

Solange nicht ausnahmslos jedes Fahrzeug damit ausgerüstet ist, ist die Idee sinnlos, weil man sich nicht auf das „Nichtsignal“ verlassen kann. Man könnte es für Neuwagen einführen, dann hätte es immerhin den Warncharakter, dass wenigstens niemand in den weg des Schnellfahrers kommt.

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