Der unvermeidbare zornige Aufregeartikel

Wenn im Straßenverkehr eine Sache wichtig ist, dann ist es die: Ruhe und Überlegenheit sind in jeder Fahrsituation das wohl höchste Gebot.

Wahrscheinlich gehört aber eine andere Sache genauso zum Autofahren dazu, obwohl sie ganz gegenteilig wirkt:

Zorn, Wut, Aufregung… viele Namen für ein und dasselbe. Ich bin auch mal wieder sauer…20150622_232321[1]

Ich glaube, dass sich wohl niemand  – ich eingeschlossen – dessen enthalten kann. Schon in den 50er Jahren zeigt ein bekannter alter Disney Cartoon namens „Motor Mania“, wie sich der freundliche, nette Nachbar zum Stinkstiefel verwandelt, sobald er hinter dem Lenkrad sitzt.

Jeder, der sich über etwas aufregt sieht dafür einen unmittelbaren Grund, der mehrheitlich mehr oder weniger verständlich ist. So geschieht es dem recht, der vollgehupt wird, weil er bei dunkelgelb noch abgebogen ist, und daraufhin mitten in der Kreuzung steht. Da sind sich alle einig, dass derjenige ganz eindeutig ein Esel, Rind, Affe oder sonst ein Viech ist.

Im Idealfall gibt sich der Delinquent dann reumütig, es soll sogar Leute geben, die sich durch Handheben kurz entschuldigen; eine in Deutschland vom Aussterben bedrohte Gattung. Ansonsten sitzt dann der Esel, das Rind oder der Affe in seinem Kfz, behindert den Verkehr und regt sich fürchterlich darüber auf, dass er angehupt wird. Ich persönlich fahre relativ viel, und finde dieses Szenario mittlerweile eher amüsant. Niemand ist in Gefahr, aber jeder beklagt sich, weil mal für 10 Sekunden Stillstand herrscht, während der Verursacher über alle anderen schimpft.

Die Situationen die mich aber aufregen, sind oft die, die von den meisten anderen im Verkehr gar nicht bemerkt werden. Nehmen wir an, man fährt auf der Autobahn (Dreispurig) bei wenig Verkehr einen Stiefel von rund 130 km/h. Nichts wildes also. Man nähert sich einem LKW und überholt entspannt auf der mittleren Spur. Auf ihr fährt dann aber ein Eselsaffenrind mit 100 km/h und schert nach dem LKW nicht wieder ein, weil ja in 5km grob die Umrisse eines nächsten erkennbar sind. Man fährt auf ihn zu, in gutem Glauben, er würde ja wieder rechts einscheren. Tut er aber nicht. Man selbst kann nicht weg, weil die Autos auf der linken Spur viel schneller sind. Betätigt man dann die Lichthupe noch auch sicherer Entfernung, um den Mittelschleicher auf die drohende Gefahr hinzuweisen, erntet man bleiernes Unverständnis. Also ist man gezwungen stark zu bremsen, weil der Vordermann sich nicht an das Rechtsfahrgebot hält. (Darüber habe ich auch hier schon mal geschrieben.)

Tatsächlich glauben ja viele, dass die mittlere Spur eine Art „Kopf-Aus-Zone“ ist. Sie fahren dann sogar bei ganz leerer Bahn in der Mitte. Kommt man dann von hinten und überholt von gaaaanz rechts nach gaaaaanz links wieder zurück nach gaaaanz rechts um sie rum, kann man dann im Rückspiegel genau gar nix beobachten. Kein Nachdenken, keine Reaktion, kein „bin-ich-hier-richtig?“ überkommt solche Leute. Interessanterweise passiert das gleiche, wenn man einfach rechts vorbeirollt, ohne vor der Person einzuscheren. Nicht, dass ich das jemals gemacht hätte…

Einfacher und öfter begegnet man deplatzierten Autobahnnutzern, wenn man selbst einmal etwas schneller fährt. Allzu oft flutscht einem dann, ohne vorher geblinkt zu haben natürlich, ein Mensch vor die Nase, der das Ehrenamt des Stauanführers ausübt. Hier eine Kurzbeschreibung:

Vati darf heute mal Autobahn fahren, weil die Familie in den entfernten Vergnügungspark möchte. Weil sie für die 150km Fahrt extra noch zwei Stunden zusätzliche Reserve eingeplant haben, liegen sie gut in der Zeit und Vati bleibt eisenhart bei seinem angepeilten Schnitt von 120km/h. Jeder der schneller fährt ist ohnehin nicht ganz dicht, ein Raser und Spritverschwender und Idiot sowieso. Vielmehr freut sich Vati, wie leicht er an den LKW’s vorbeirollen kann, wenn er einfach immer in der Mitte bleibt. Da, plötzlich blinkt einer dieser LKW’s und will auch auf die mittlere Spur. Großspurig schimpft Vati über „Elefantenrennen“. Darüber hatte er mal beim Frisör gelesen. Innerlich denkt er sich aber: „Auweiauweiaauweia!!! Der BLINKT!!! HILFE!“, und juckelt auf die linke Spur.

Und jetzt kommst du. Mit Hunger und Heimweh treibst du dein Waidwundes KFZ über die Bahn, mit einer Geschwindigkeit deiner Wahl. Nichts kann dich aufhalten. Bis auf diesen blödfarbenen Minivan, der gerade in riechbarem Abstand auf deine Spur schlängelt. Du kommst angeflogen, mit dem Fuß schon im Bremskraftverstärker und machst die gerade ernsthafte Sorgen, ob die Fliegen auf deiner Stoßstange nicht schon den „Joyce-Rabea-fährt-mit“-Aufkleber deines Vordermenschens berühren. Du bekommst so’nen Hals (Autor deutet weiträumig mit Hand um Hals) und siehst nur, wie der vor dir über Raser schimpft. Erstaunlich: Auch in solch brenzligen Momenten bleibt Vati bei seinem angepeilten Schnitt von 120!

Dein Puls auf 200, dein Gasfuß krampft und zuckt; mit rotglühenden Bremsscheiben befindest du dich noch immer hinter diesem Verkehrserziehungsexponat und harrst dem Moment, an dem der LKW passiert ist, und Vati wieder Platz machen muss. Irgendwann macht er das auch, aber gaaaanz langsam. Übrigens auch wieder ohne blinken. Du schäumst vor Wut, ziehst vorbei und willst einfach nur nach Hause und in Ruhe gelassen werden. Vati hat sich auch aufgeregt. Er schimpft aber nicht (wahrscheinlich, weil Mutti sonst meckert). Nein! Während du vorbeieilst, guckt Vati böse! Er guckt böse!! Dabei vergisst er sogar seinen 120er Schnitt. Das alles schreit nach Revanche! Er gibt dem Familienkübel die Sporen und quetscht aus, was er hat, um dir Blödmann dein Überholmanöver nur ja zu versalzen.

Bringt nur nix.

Während das noch passiert, hast du zuhause schon geparkt und dir ein Getränk geöffnet. So wie ich jetzt.

Du fängst an zu philosophieren und denkst an all die Ignoranten, die dir im Leben schon begegnet sind.

Schlimm finde ich zum Beispiel auch diese seuchenartige Bewegung, dass immer weniger Leute blinken. Ich habe mir seit ich fahre angewöhnt, wenn nötig immer zu blinken, und gar nicht erst darüber nachzudenken, ob es in dem Moment überhaupt etwas bringt. So stört es mich auch nicht, wenn ich mutterseelenallein in finsterer Nacht auf einer verlassenen Abbiegespur vor mich hin blinke, für nichts und niemanden. Dafür vergesse ich es aber auch eigentlich nie, wenn es notwendig ist. Andere Verkehrsteilnehmer blinken entweder konsequent überhaupt nicht, oder ihnen fällt im allerletzten Moment ein, dass es da ja so ein Teil neben dem Lenkrad gibt, wo man dran hebelt, wenn man wo um ’ne Ecke will. Toll! Besonders auf mehrspurigen Stadtstraßen ist es jedes mal ein Vergnügen, wenn schlagartig alles steht, weil jemand abbiegt, und keiner die Chance hatte vorher auszuweichen. Und mittlerweile habe ich mir was zu Lesen ins Auto gelegt, für die Zeit die ich vor Kreisverkehren vertrödle, weil ich Leuten ihre Vorfahrt gewähren will, von denen ich denke, dass sie sie brauchen. Hätte ich gewusst, dass sie vorher aus dem Kreisel abbiegen, hätte ich fahren können.

Über solche Dinge rege ich mich (leider) auf. Besonders weil ich es entsetzlich finde, dass derlei Fehler, die durchaus gefährlich sein können, offensichtlich fast niemandem auffallen. Viele Leute haben offenbar einfach keine Ahnung. Sollte ein Führerschein nicht ein Mindestmaß an Gewissenhaftigkeit erfordern? Oder handelt es sich um eine Modeerscheinung zur Faulheit im Straßenverkehr?

Auf einer US-Kaserne habe ich einmal eine Broschüre gelesen, die neu stationierten Soldaten einige Empfehlungen gibt, wie der deutsche Straßenverkehr so läuft. Sinngemäß stand da drin, dass Autobahnen und deshalb nicht tempobegrenzt sind, weil in Deutschland jeder Fahrer eine umfangreiche Fahrausbildung hat und der Verkehr sehr aktiv und bedacht abläuft.

Eigentlich ist das ein Idealzustand. Schön, wenn es so wäre. Ich bin vor kurzem morgens von Nürnberg in die Münchner Gegend gefahren, und am Abend wieder zurück. Man fährt hauptsächlich A9 und die ist eigentlich überall (mindestens) dreispurig. Wie eigentlich immer drückte sich eine zähe Masse von Autos auf den linken beiden Spuren herum, während rechts gähnende Leere herrschte. Traurig dachte ich, die Menschen sind scheinbar echt zu dumm um mit drei Spuren klarzukommen. Auf dem Rückweg dann das gleiche Bild, nur dass man elektronischerweise noch zusätzlich den Standstreifen als Fahrspur eröffnet hatte. Und der war bis auf mich und einen LKW, den ich schon lange überholt hatte, leer!

Trotzdem ging es links hoch her. Oft hatte ich eine Spur zwischen mir und dem restlichen Verkehr ganz frei. Leider weiß ich nicht genau, ob es erlaubt ist in solchen Fällen rechts vorbeizufahren.

Mittlerweile gibt es Tage, wo es mir wirklich keinen Spaß mehr macht auf der Autobahn zu fahren. Und das muss bei mir erst mal so weit kommen!

Natürlich hält sich wohl jeder für den allertollsten und besten Autofahrer, den die Welt je gesehen hat. Aber zweifeln diejenigen nicht doch an sich, die ständig bedrängt, angehupt oder beschimpft werden, und dabei stur und reaktionslos bleiben?

Jeder macht einmal einen Fahrfehler und aus eigener Erfahrung habe ich dafür großes Verständnis. Unsere Verkehrsordnung gebietet es, Rücksicht auf andere zu nehmen, und das ist auch gut so. Wenn jeder aktiv auf sich und andere achten würde, gäbe es weniger Unfälle und weniger Spritverbrauch. Es könnte alles so schön sein.

Umso mehr widern mich die an, die sich darauf ausruhen und das Nachdenken den anderen überlassen. Das ist einfach ein asoziales Verhalten, wenn ich Stau produziere, weil Leute meinetwegen bremsen, oder mich umfahren müssen, weil ich zu faul bin, den Verkehrsraum freizugeben, den ich selbst nicht unbedingt benötige. Eines der schlimmsten Beispiele für derartiges Verhalten in Deutschland, ist das Reißverschlussverfahren. Es gibt zwei Spuren, die sich zwangsläufig auf eine reduzieren. Nochmal: Es gibt zwei Spuren, die auch beide bis zum Schluss für die Nutzung vorgesehen sind. Was tun aber unaktive Fahrer? Sie befürchten, dass sie von Links am Ende nicht reingelassen werden, und fahren so früh, wie’s nur irgendwie geht nach rechts. Was machen sie dann am Ende? Richtig: Sie lassen Leute nicht rein. Dumme Menschen verstopfen so also zunächst die rechte Spur aus Angst vor gleichgesinnten, und blockieren dann die Leute, die völlig zu recht die linke Spur mitbenutzen. Auf der Autobahn bildet sich dann oft wirklich schlagartig Stau auf der linken Spur. Mit einem Dienstwagen musste ich deshalb einmal vollbremsen. Mein Hintermann schrieb auf seinem Handy und schenkte dem Verkehr keine Aufmerksamkeit. Sein Audi A6 und der nagelneue BMW 3er, den ich fuhr wurden daraufhin mit einem lauten Knall zu Totalschäden, und mein Nacken ist noch heute nicht ganz in Ordnung. Danke dafür!

Und es geht hier nicht mal nur ausschließlich um die Autobahn. Hier in Fürth gibt es eine Vierspurige, aber eher „langsame“ Straße, bei der man auf einen Kreisverkehr stößt. Reißverschlüsse sollen hier den Verkehr in den Kreisel leiten.

Dummheitsbeweis 1:

Während die linke Spur noch immer ganz leer ist stehen Leute bei viel Verkehr über Ampelkreuzungen hinweg rechts und stehen gut und gerne 10 Minuten im Stau.

Dummheitsbeweis 2, und damit die absolute Krönung meines heutigen Hassabends:

Menschen die ca. 300m vor dem Reißverschluss beide Spuren gleichzeitig, mittig mit ihrer Karre versperren, damit andere erst gar nicht bis vorne fahren können. Solche Leute mit IQ auf Zimmertemperatur stoßen sogar in Kindergärten noch auf mentale Überlegenheit und verbringen ihre Freizeit sicherlich damit, sich mit Hämmern auf den Schädel zu hauen. Anders lässt sich deren subfontanelle Zerebralleere wohl nicht erklären. Man sollte sie aus ihren Fahrzeugen ziehen und an einen sicheren Ort geleiten, wo sie einfach gar nicht mehr denken müssen.

Zurück zum Thema Aufregen:

Ich bin mittlerweile wieder ganz ruhig geworden. Es hilft, wenn man drüber schreibt. Probiert’s mal aus, und schreibt mir, was euch so aufregt. Und bis dahin:

Schön ruhig bleiben! 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: