Wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn

Eigentlich wollte ich diesen Artikel damit beginnen, dass mir gerade heute wieder etwas sehr ärgerliches auf der Autobahn passiert ist, an dem natürlich ein bestimmtes Rindvieh Schuld hat. Tatsächlich ist so eine Einleitung aber überflüssig. Erstens war ich heute ausnahmsweise mal nicht im Auto unterwegs, zweitens braucht man kein einzelnes Beispiel um die verschiedenen Problematiken mal aufzuzeigen.
Es ist aber auch wirklich immer das gleiche, was einem widerfährt, wenn man mal wieder fährt. Nicht, dass man gar nicht mehr störungsfrei lange Strecken fahren kann, nein! Nachts geht’s noch…

Ein ganz normaler Tag...

Ein ganz normaler Tag…


Vorab sollte sich wohl jeder Fahrer immer mal wieder vor Augen führen, wie eine Autobahn überhaupt funktioniert. Auch sie ist nämlich nur eine ganz normale Straße, vergleichbar mit einer Landstraße, nur mit mehr Spuren. Diese Spuren sind dazu da, größere Massen an Fahrzeugen störungsfrei durchzuführen. Störungsfrei bedeutet, dass man eben nicht das „Landstraßenproblem“ hat, bei dem man hinter etwas langsamen feststeckt, und keine Möglichkeit hat, zu überholen. Auf der Autobahn wird einem also das Überholen so weit es geht erleichtert. Trotzdem redet man immernoch vom Überholen, was eine gewisse Sorgfalt beinhalten muss.
Diese Sorgfalt trägt mit sich, dass man nicht einfach ohne Rücksicht zum Überholen ausschert. Auf der Landstraße schaut man ja auch gründlich nach, ehe man überholt. Umgekehrt bedeutet es auch, dass man beim Überholen besonders vorsichtig und aufmerksam zu sein hat, und die dafür vorgesehen Spur nach dem Überholvorgang auch wieder für den nächsten frei macht. Dazu gehört auch die mittlere Spur, denn das geltende Rechtsfahrgebot gebietet die rechte Spur zu nutzen, ohne zu verbieten, dass man sie aus gegebenem Anlass verlassen darf.
So ist die Regel. So klingt sie vor allem auch. Der Alltag fällt durch die Verletzungen dieser Regel auf.
Beispiel (ganz von vorn anhand einer durschnittlichen Fahrt):
Wir wollen die Großstadt verlassen, und ländliche Gefilde ansteuern. Über eine Zubringerstraße nähern wir uns der Autobahn, biegen ab und kommen auf den Beschleunigungsstreifen zum Einfädeln. Beschleunigungsstreifen… wie in Beschleunigen – das ist einem älteren Herren im Ford Focus Stufenheck offensichtlich zu kompliziert. Wir stoßen auf ihn, als wir eigentlich schon 80 bis 90 km/h auf dem Tacho haben, damit man mindestens schon mal die LKWs problemlos umfahren kann. Der Herr vorne fährt 60, und ändert daran auch nichts. Glücklicherweise müssen wir nur kurz stark bremsen, da er die Einfädelspur unmittelbar am Ende der durchgezogenen Linie schon verlässt, und das Bremsen so einem ukrainischen Schweinetransporter überlässt. Der (licht)hupt. Während wir noch ganz entspannt die weiteren, reichlichen 250m des Streifens nutzen um mühelos einzuscheren, können wir beobachten, wie sich der Focusfahrer fürstlich über den LKW aufregt. Interessanterweise lässt sich dieses Phänomen sogar bei Auffahrten finden, bei denen der Beschleunigungsstreifen zur eigenen Spur wird. „Nix, wie weg von dem Streifen“ denken sich da wohl ganz viele. Leider denken sie nicht mehr, als das.
Für uns war dieser Zwischenfall zwar noch relativ bedeutungslos, aber hinter dem Schweinetransporter geriet schon eine Art Brems-La Ola in Gange, die im Zweifelsfall für Staus, oder auch viele LKW Überholmanöver verantwortlich ist. Im Ford hält der alte Mann den LKW-Fahrer für gefährlich, obwohl eigentlich er es ist, der viele andere gefährdet.

 
Wir fahren weiter und haben eine Zeit lang Glück. Wir finden eine angenehme Wohlfühlgeschwindigkeit von etwa 140 km/h und freuen uns das wenig los ist, auf den beiden Fahrspuren. Wir brauchen auch nur selten überholen, weil alle in einem passenden Verkehrsfluss mitschwimmen. Als dann aber der Vordermann immer wieder zwischen Überhol- und Standspur hin und her eiert, und diese Richtung dann zackig wieder verlässt werden wir stutzig. Sicherheitshalber lassen wir ihn hinter uns, und beobachten kurz einen Jungspund, der im Schoß mit seinem Handy beschäftigt ist. Das macht irgendwie sauer. Was, wenn er in einer seiner „Aufmerksamkeitspause“ uns von der Spur schiebt? Was wenn jemand auf der Standspur, die er immer wieder halb befährt plötzlich ein Pannenfahrzeug steht? Eigentlich müsste man ihn irgendwie erschrecken, damit ihm schlagartig die Gefahr seines Verhaltens klar wird, aber sogar wenn man ihn per Hupe warnen würde, bestünde die Möglichkeit, dass er dadurch aufschreckt und das Lenkrad verreißt.
Streng genommen könnte man ihn, wie auch viele andere filmen und anzeigen, allerdings sind wir privatleute und keine öffentlichen Überwacher. Da erleidet man ja irgendwann einen Verfolgungswahn, wenn man alle fahrenden Idioten unbedingt überführen will. Leider gibt’s wirklich so scharfe Hunde, die die mutmaßlichen Fehler ihrer Mitmenschen aufzeichnen und sogar publizieren. Davon sind dann aber auch noch die meisten ehrenamtliche Stauführer, die schon aus Prinzip immer Recht haben. Kennt ihr die Leute? Man kann sie kurz „höflich“ anhupen, wenn sie bei Grün nicht losfahren und sie werden mit winkenden Gesten in ihren Rückspiegel schimpfen, anstatt kurz die Hand zur Entschuldigung zu heben, und kein großes Ding aus der Sache zu machen.

 
Ein Stück weiter fahren wir dann ein klein wenig schneller, weil wir ja auch den kommunikativen Typen überholen, und so andere Vordermänner gleich „mitnehmen“. Wir behindern niemanden und können die problemlos an der Kolonne vorbeifahren, die langsamer ist, als wir. Dann passiert der Klassiker. Bei ca. 150 denkt sich einer rechts vor uns „Potz Blitz! JETZT muss ich aber auch überholen“ und fährt uns ohne zu blinken voll vor die Nase. Wir treten die Bremse bis zur Ölwanne durch, dass es nur so quietscht. Erst dann merkt der Verursacher seinen Fehler, kriegt weiche Knie und zieht sich an seine alte Position zurück – auch ohne Blinken, versteht sich.
Das solche Querschläger eine Gefahr für die Allgemeinheit sind ist offensichtlich, auch wenn es leider viel zu viele von ihnen gibt. Aber mal ehrlich: Selbst wenn ich den Abstand im Rückspiegel falsch einschätze und bemerke dass der nächste Überholer hinter mir bremsen muss, kann ich dann nicht wenigstens angemessen beschleunigen, damit jeder beteiligte zügig weiter kann?? Ich habe schon ab und zu erlebt, dass der von rechts mich abgeklemmt hat und dann nach mehreren Minuten festgestellt hat, dass er doch garnicht überholen will. Oder auch, dass derjenige, wegen dem ich vollbremsen musste mich wohl für den geringen Sicherheitsabstand bestrafen wollte, den er selbst verursacht hatte.

 
Naja. Nun wird die Bahn 3, also 6-Spurig und die ganze Lage ebbt ein wenig ab. Wir fahren wieder brav rechts, vergessen unseren Ärger und pendeln uns wieder bei 140 km/h ein. Ein schwarzer Audi A4 Kombi kommt mit 190/200 von hinten und überholt ordnungsgemäß. Daraufhin möchte auch er sich wieder rechts einordnen (Ja, liebe Leute, bei freier Bahn fahren wir auch mit 200 noch rechts), muss aber einen leberwurstfarbenen Opel Zafira umschiffen, der die mittlere Spur für seine Kleinfamilienbesatzung beansprucht, ohne aber irgendwas rechts zu überholen. Beim Spurwechsel blinkt Audi Opel von hinten kurz an. Der Zafirafahrer versteht nicht. Ich habe im Gespräch mit einer jungen Studentin, die sich selbst nicht für die sicherste Fahrerin gehört, dass sie immer in der Mitte fahre, weil man dort nicht ständig die Spur wechseln müsse, oder bedrängelt würde. Tatsächlich ist aber auch das Verhalten sehr behindernd. Man braucht plötzlich drei Fahrspuren um denjenigen zu überholen, und schränkt dadurch tendenziell viel mehr Verkehrsteilnehmer ein, als sonst. Absolut unnötig. Leute die sich unsicher sind, oder nicht in der Lage sind aktiv über’s Autobahnfahren nachzudenken, sollten sich eigentlich von ihnen fernhalten. Und wenn Fahrschulen (https://autonormalverbraucher.wordpress.com/2015/03/09/fahrschule-und-was-dabei-rauskommt/) nicht so arbeiten, dass sie denkende Verkehrsteilnehmer produzieren, müssen wir uns eines Tages noch von der freien Tempowahl verabschieden. Dann wird die Ignoranz zu gefährlich, als dass man sich fürs schnelle Fahren auf das bedachte Verhalten der Anderen verlassen könnte.

 
Ist es nicht eine Auszeichnung, dass Deutschland seinen Autofahrern zutraut, dass sie so gut fahren, dass sie so schnell sein dürfen, wie sie wollen? Wer das so sieht schaltet vielleicht auch einmal mehr den Kopf ein, als sonst.
Wir jedenfalls sind an der Zielausfahrt angekommen und verlassen die Autobahn. Dabei werden wir von einem Fahrer geschnitten, der aus hoher Geschwindigkeit bremsend noch über die schraffierten Grenzbereiche der Abfahrt vor uns einschert.
Der hat wohl nicht an dieses Privileg gedacht…

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