Übers Cabriofahrerdasein

Heute Abend bin ich über einen interessanten Artikel auf dem Blog „dummemenschen.de“ gestolpert, der mich nicht nur zum schmunzeln brachte, sondern auch nachdenklich machte.

http://doofemenschen.de/2013/07/30/auto-aggression/

Alex Cohrs beschreibt darin einen eher selbstverliebten Gesellen, der stilbewusst sämtliche Do-s & Don’t-s als Cabriofahrer missachtet. 

Im Cabrio gehörte man gefühlt schon immer zum heißesten, was Räder hat. Ich erinnere mich noch ganz gut, wie ein Jägerschnitzelig braun gebrannt und ölig lang Behaarter den GFK Frontspoiler seines stark bearbeiteten BMW e30 Cabrios kratzend über das buckelige Kopfsteinpflaster im Inneren meiner Heimatstadt quälte. Dazu passend: Borbet A Felgen in Wagenfarbe (Autoscooterblau Metallic), gerade Auspuffanlage mit doppeltem Zeitungseinwurf hinten und dieser böse Blick, der beim e30 wohl der grimmigste von allen ist.

Das Ding war immer offen, und es lief ein regionaler Technosender im Minidisc Radio. In den späten 90ern erlebte Techno eine sehr populäre Zeit… Außerdem glaube ich, dass das Auto gar keine Seitenscheiben mehr hatte – ähnlich wie die Gänge 3 bis 5. Vielleicht war der Fahrer auch einfach zu faul sie jeden Tag einzeln runterkurbeln zu müssen. Und vielleicht wollte er auch immer nur allen zeigen, dass er zu jener seltenen Spezies Mensch gehört, die mit beiden Augen gleichzeitig durchs Schlüsselloch schauen können. Wie auch immer war sein Auftritt stets im weitesten Sinne beeindruckend.

Das im Hinterkopf fuhr ich dann über das selbe Pflaster einige Jahre später im eigenen Cabrio. Immerhin als Golf etwas ziviler, als der 3er, aber auch tief, laut und hart. Nicht so tief, dass er schleift, aber immerhin ein bisschen. Musikalisch verfolge ich andere Stilrichtungen als eingangs Genannter und bevorzuge eher Bärtiges mit richtigen Instrumenten und einer gewissen Durchschlagskraft. Auch wollte ich mich damit niemandem aufdrängen, aber wer wollte konnte durchaus hören, was ich hörte. Zu allem gehört natürlich das gewisse Know-How. Wenn ich einfach nur offen durch die Stadt fuhr, weil das Dach eben gerade unten war, waren die Scheiben oben, die Musik auf Zimmerlautstärke und ich fuhr schön suutsche, wie man im Norden sagt. Wenn ich mal richtig gut drauf war, z.B. nach dem Einbau meiner vier elektrischen Fensterheber, waren die Scheiben ruck zuck unten, und auch die Periphärie wurde angepasst.

Wenn aber ein augenscheinlich ziemlich junger Typ, der in Sportklamotten über die Straße geht in ein neuzeitliches Blechdachcabrio einsteigt, und die Fenster nach dem Verdecköffnen, wieder hochfährt, dann hat er einfach das Prinzip nicht verstanden. Wenn schon, denn schon!

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