Ein Blick über den Tellerrand

Wenn man ganz bewusst ein bestimmtes Auto fährt, gibt es meistens auch die genauen Gegenteile, von denen man sich wohl nie vorstellen könnte sie zu fahren. Schon der Film „Manta, Manta“ von 1991 zeigt den Archetyp der Rivalität: Opel vs. Volkswagen. Gerade das ist ein gutes Beispiel wie auffällig unauffällig ein solcher Disput ist. Zumindest auf dem Papier nehmen sich Astra und Golf nicht viel. Beide sind Kompakte, die für die breite Masse ein genau passendes Produkt bieten. Das tun sie mal mehr, und mal weniger vorteilhaft, genau wie schon ihre Ahnen Kadett und Käfer.

Auch der Vergleich zwischen Mercedes und BMW ist eine fast omnipräsente und offene Feindschaft, beherrscht von Vorurteilen. Der Mercedesfahrer gilt für BMW-Leute meistens als Opa mit Hut, der betulich aber doch auch gern als ehrenamtlicher Stauführer mit vergessenem Blinker fährt. Umgekehrt galten BMW-Fahrer lange als rasende Rowdys, die lichthupend die Linken Spuren unsicher machten – zumindest bevor Audifahrer ihnen diesen zweifelhaften Ruf strittig machten. Für die oberen 10.000 der Mercedesliga gelten die Produkte der BMW-Union als nie so richtig würdig, die luxuriösen Wünsche genügend zu erfüllen (eigener Erfahrung nach, haben die das gegnerische Lager aber nie getestet). Im Endeffekt kann man selten von objektiven Vorteilen von einer jeweiligen Seite sprechen. Zumindest heute nicht mehr.

Andere Vorurteile sind allgemeiner gefasst, aber mindestens genauso oft anzutreffen. Ich hab mich zum Beispiel lange gegen komplett alles quergestellt, was aus Korea kommt. Nichts war da für mich der Rede wert, weil ich es nicht mag, wenn Autos nicht so gut, wie möglich gebaut werden, sondern nur um zuvor berechnet irgendeine Marktlücke mit Kostengünstigem zu bestücken. Es hat für mich eine ganze Weile gedauert, bis ich begriff, dass dieses Phänomen mittlerweile beinahe bei jedem Hersteller vorzufinden ist, und dass Korea da nur auffällt, weil von dort aus bisher tendenziell die meisten solcher Konfektionsmodelle auf den Weltmarkt rollten. Mir fehlt da die Begeisterung für das eigene Produkt. Diese Begeisterung schafft bei jedem Fahrzeugtyp die Grundlage, dass man sich auch als Besitzer, oder Fahrer daran erfreuen kann. Das gilt, wie in meinem vorigen Artikel über Vorurteile (https://autonormalverbraucher.wordpress.com/2013/03/16/vorurteile-mit-nachdruck/) für alle Arten von Autos. Der Smart aus dem Daimler Konzern stinkt vom Nutzwert her ziemlich ab hinter einem kleinen Koreaner. Umgekehrt fuhr ich mal einen Hyundai Genesis. Ein großes Coupé mit V6 und über 300PS. Gelinde gesagt, war die Fahrt totaler Käse. Das Auto war schlecht abgestimmt, und der unwillig wirkende Motor rupfte derart ruppig an den Vorderrädern, als wollten die PS, die das lausige Automatikgetriebe übrig lies auch noch weg. Eine derart undurchdachte Enttäuschung war das, dass ich dachte es muss doch auch bei Hyundai besser gehen. Tatsächlich räumen Modelle wie der Hyundai i30 langsam aber sicher von unten die bisher meist europäisch besetzte Rangliste auf, weil sie in vielen Hinsichten immer besser werden. Das Design wurde ausgewogener, Motoren entrichten ihren Dienst nach Vorschrift immer harmonischer und sparsamer, und auch Sitzpolster fühlen sich immer weniger nach Plastikfolie an. Nach wie vor gibt es aber keinen eigenständigen Lichtschalter, und der Schalthebel lässt sich einfach verdrehen, aber ehrlich gesagt ist das in Frankreich und Italien auch oft so. Und dort sieht man bisher darüber hinweg. Sein großer Bruder i40 hingegen leidet noch unter zu hoch gegriffener Ingenieurskunst, ähnlich wie beim Genesis. Der Motor passt nicht so richtig, die Auto-Hold Bremse in Kombination mit elektrischer Handbremse ist so hektisch, dass sie das Einparken an einer leichten Steigung zu einer Qual macht, insbesondere weil die Kupplung sehr unhomogen arbeitet. Da scheitert also ein recht erwachsenes Auto an solchen dummen Abstimmungsfehlern.

Ich bilde mir ein: Mit mehr Liebe zum Detail würde so was nicht passieren. Jedenfalls haben mich i40 und Genesis ziemlich abgeschreckt. Auch bei Mitkoreanern wie z.B. dem Chevrolet (Daewoo) Orlando, bei dem die okaye Opeltechnik mit der weltschlechtesten Automatik klarkommen muss, oder beim sich selbst zerlegenden Kia Sorento einer Bekannten handeln es sich um solche Unmöglichkeiten. Das schreckt mich ab.

Das sind Vorurteile, auch wenn sie manchmal begründet sind. Unbegründete gibt’s wie bei VW/Opel, Mercedes/BMW usw. sogar auf der ganzen Welt. In Amerika ist mir bewusst geworden, dass man es meistens mit Chevrolet, oder mit Ford Fahrenden zu tun hat. Ähnlich, wie es mit hiesigen VW und Opel ist, sind die Unterschiede ziemlich oft eine Geschmackssache und selten objektiv. Der eine mag’s lieber so, der andere so. Tatsache ist aber, dass die jeweiligen Fahrer der beiden Marktführer in den allermeisten Fällen bei ihrer Marke bleiben. Wer einen Chevy Avalanche fährt, stellt sich als Zweitwagen den „kleinen“ Colorado hin, aber keinen Ford Ranger.

Soziologisch betrachtet ist also auch den Autofahrer ein ausgesprochenes Gewohnheitstier. Ich fände interessant, Berichte darüber zu lesen, warum Leute fahren, was sie fahren. Abschließend finde ich aber auch, dass Vorurteile immer auch einen kleinen Platz in der eigenen Meinung haben müssen. Wenn man nun mal an etwas bestimmtem mehr oder weniger Spaß hat, ist das voll in Ordnung und solange man sich sachlich darüber äußert sollte man auch nicht als notorischer Korea-Basher kritisiert werden.

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