Der virtuelle Grenzbereich

Echt. oder virtuell?

Echt. Oder virtuell?

Seit rund 30 Jahren sammeln sich Autofreunde jedes Alters vor Fernsehern und Monitoren und spielen Rennspiele. Man darf alles, was im richtigen Leben gefährlich, zu teuer, oder einfach verboten ist. 

Gut gemachte Rennspiele kann man mittlerweile getrost zur sogenannten Automobilia zählen. Sie gehören genau wie Modellautos, Literatur, oder besonders ansehnliche Artefakte, oder Ersatzteile in die Regale von jedem, der gern mit Motoren zu tun hat. Auch ohne besondere Fachzugänglichkeit, sogar ohne den Besitz eines Führerscheins kann man mit ihnen seinen Spaß haben. Letzteres nutzen natürlich auch gerne Kinder. Ich selbst bin zunächst mit den ersten Zig Teilen der „Need for Speed“ Reihe, vom Ersten an aufgewachsen. Zu Anfang musste mir noch mein  älterer Bruder die „nfs.exe“ über die DOS Eingabeaufforderung aufrufen. Von da an fand ich auch als ziemlich kleines Kind schon den Weg, der meistens hinter dem abfotografierten Lenkrad eines dunkelgrünen Porsche 993, oder auch einer Dodge Viper endete, und fuhr und fuhr und fuhr… solange ich durfte. Das prägt.

Mit wachsendem technischen Verständnis, sowie dem Weihnachtsfest 1999 kam für damals 249,00 Mark die erste Sony Playstation und schließlich das Spiel GranTurismo 2. Hier wurde initiale Begeisterung ziemlich schnell zu einem ausgedehnten und fundierten Halbwissen. Ich eignete mir Wissen über Fahrwerksgeometrie, Getriebeabstimmungen und Aerodynamik an. Davon mal abgesehen war die Grafik super, und der Zweispielermodus zog uns noch eine ganze Dekade lang in seinen Bann, bis vor ein Paar Jahren, als dann der technische Fortschritt die gute Ur-Playsi langsam echt alt aussehen ließ. Auch eine flott herbeigeschaffte Playstation 2, die dann eigentlich auch schon steinalt war, war nicht so richtig befriedigend. GranTurismo 3 und 4 waren gefühlsmäßig auch noch nicht viel besser als Teil 2. So wurde diese Generation also nur etwa ein Jahr lang intensiv bespielt. Auch, dass mittlerweile schon länger Führerschein in der Tasche, und Auto vor dem Haus waren, haben die Spielweise da beeinflusst.

In meinen durchspielten Kindertagen war es schon fast immer das beste, wenn man mal virtuell ein Auto fahren konnte, was man aus dem echten Leben auch kennt. Die Need For Speed Sportwagen waren zwar ganz nett, aber mit GranTurismo kamen plötzlich 50 mal so viele Modelle. Unter anderem auch mal der ein oder andere Mercedes, wie man ihn vom Vater kannte… nur mit viel mehr Zylindern, PS und ohne Dieselmotor. Und das Phänomen des Greifbaren hielt sich. Erst recht, als das echte Autofahrerleben begann, ließen uns Supersportwagen immer mehr kalt. In stundenlangen Tournaments mit Bier und Knabberkram wurden eigene Rennserien aus dem virtuellen japanischen Boden gestampft. Inzwischen an der Playstation 3 mit GranTurismo 5 und 6 setzte sich mittlerweile hauptsächlich die Zweiliter-Turbo Klasse durch. Jeder baute sich ein kompetitives Auto aus der Mannigfaltigen Auswahl an Modellen und Tuning, um dann komplett unterschiedlich gleich gegeneinander anzutreten. Angeblich besitzt das Spiel mehrere Strecken. Wichtig war und ist bei uns ausschließlich die Nürburgring Nordschleife in der Eifel. Warum? Man kennt sie.

Dort, wo man mit Klappstuhl und Malzbier in fiesem Nieselwetter diejenigen beobachtete, die Mut und Geld genug hatten in echt über die Kultstrecke zu heizen, konnte man nun ganz gemütlich im Wohnzimmersessel von Oma, aber auch gerne mit Mälzchen den Spaß selbst genießen. Mit den Generationen wurden die Spiele auch immer realistischer und viele Spielerfahrungen über Fahrdynamik erwiesen sich als real umsetzbar. Mit meinem Golf, sehr wenig Leistung, aber einem sehr guten Fahrwerk erzielte ich Kurvengeschwindigkeiten, die viele sehr viel stärkere Autos enorm alt aussehen ließen. Und der Grenzbereich kam immer genau da, wo ich ihn aus der Konsolenerfahrung vermutete. Auch eine spätere Touristenfahrt im Golf 5 Sportline lief bis hin zur Rundenzeit ziemlich genau, wie zuhause geprobt.

Natürlich ist eine reale Fahrerfahrung durch gar nichts zu ersetzen, aber der virtuelle Grenzbereich tut nun mal wesentlich weniger weh, als der echte wenn man ihn übertritt. Ein so realistisches Rennspiel hat dadurch also echte Vorteile.

Diese positiven Einflüsse passen also genau zum einschlägigen Motto der langen Fahrabende:

„Wir spielen ja hier nicht aus Quatsch!“

Außerdem erlebt man auch hier, wie wichtig es ist, beim Fahren auf Alkohol zu verzichten. Also ohne Quatsch jetzt!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: